Ansitz oder Pirschen? Welche Methode eignet sich besser für die Wildtierfotografie?
Wer mit der Wildtierfotografie beginnt, stellt sich früher oder später eine wichtige Frage: Sollte ich lieber ansitzen oder pirschen?
Beide Methoden gehören zu den wichtigsten Techniken, um heimische Wildtiere erfolgreich zu beobachten und zu fotografieren. Während du beim Ansitz geduldig auf die Tiere wartest, bewegst du dich beim Pirschen aktiv durch ihren Lebensraum. Beide Vorgehensweisen haben ihre Vorteile – und beide stellen dich vor unterschiedliche Herausforderungen.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich Ansitz und Pirschen in der Wildtierfotografie einsetze, welche Vor- und Nachteile beide Methoden bieten und wann ich mich in der Tierfotografie im Erzgebirge für welche Variante entscheide.
Grundregeln für erfolgreiche Wildtierfotografie
Egal, ob du dich für den Ansitz oder einen Pirschgang entscheidest – einige Grundregeln helfen dir bei jeder Form der Tierfotografie.
Windrichtung beachten
Der wichtigste Faktor bei der Wildtierfotografie ist für mich die Windrichtung.
Viele Wildtiere besitzen einen ausgezeichneten Geruchssinn. Rehe können einen Menschen beispielsweise schon auf mehrere hundert Meter Entfernung wittern. Weht der Wind in Richtung des Tieres, ist die Begegnung häufig vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat.
Versuche deshalb immer so zu stehen oder zu sitzen, dass der Wind von vorne oder leicht von der Seite kommt. Definitiv nicht in Richtung der Tiere weht.
Den Sonnenstand berücksichtigen
Ebenso wichtig ist das Licht.
Die schönsten Bilder entstehen meist morgens oder abends. Das warme Licht sorgt nicht nur für eine angenehme Stimmung, sondern hebt Fellstrukturen und Farben besonders schön hervor.
Wenn möglich, solltest du deinen Standort so wählen, dass das Licht seitlich oder leicht von hinten einfällt. Achte darauf, dass du dich im Schatten aufhältst und die Sonne dich nicht beleuchtet.
Leise Kleidung und langsame Bewegungen
Für erfolgreiche Tierfotografie im Erzgebirge brauchst du keine komplette Tarnmontur.
Ich selbst fotografiere fast ausschließlich mit schlichter Outdoorbekleidung in Oliv- oder Brauntönen. Viel wichtiger als ein Tarnmuster sind:
geräuscharme Kleidung
gedeckte Farben
langsame Bewegungen
Viele Tiere nehmen Bewegungen deutlich schneller wahr als Farben.
Die beste Tageszeit
Die meisten heimischen Wildtiere sind in den frühen Morgenstunden oder kurz vor Sonnenuntergang besonders aktiv.
Wer regelmäßig zu diesen Zeiten unterwegs ist, erhöht seine Chancen auf spannende Tierbeobachtungen erheblich.
Was bedeutet Ansitz in der Wildtierfotografie?
Der Ansitz bedeutet, dass du dir im Vorfeld einen geeigneten Platz suchst und dort getarnt (versteckt) und geduldig auf die Tiere wartest.
Ein erfolgreicher Ansitz in der Wildtierfotografie beginnt bereits lange vor dem eigentlichen Fotografieren. Gute Kenntnisse und ausführliche Recherche über den Lebensraum der Tiere sind dabei entscheidend.
Folgende Fragen helfen bei der Planung:
Welche Tierart möchte ich fotografieren?
Wo hält sie sich bevorzugt auf?
Wann ist sie aktiv?
Aus welcher Richtung wird sie vermutlich erscheinen?
Je besser du diese Fragen beantworten kannst, desto größer sind deine Erfolgschancen.
Was bedeutet Pirschen in der Wildtierfotografie?
Beim Pirschen bewegst du dich langsam, leise und aufmerksam durch die Natur.
Entdeckst du ein Tier, versuchst du möglichst unauffällig zu bleiben. Oft gehe ich in die Hocke oder lege mich sogar auf den Boden, damit meine Silhouette kleiner wirkt.
Je nach Gelände, Vegetation und Windrichtung kann man vorsichtig versuchen, sich weiter anzunähern.
Pirschen in der Wildtierfotografie bedeutet vor allem, flexibel auf jede Situation reagieren zu können.
Vorteile des Ansitzes
Der größte Vorteil des Ansitzes ist die Ruhe.
Da du dich kaum bewegst, verlieren viele Tiere schneller ihre Scheu. Nicht selten kommen Rehe, Füchse oder andere Wildtiere überraschend nah an den Ansitzplatz heran.
Ein weiterer Vorteil ist, dass du dich vollständig auf das Fotografieren konzentrieren kannst. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen ist das ein großer Pluspunkt.
Demgegenüber steht allerdings der hohe Zeitaufwand.
Ein guter Ansitz erfordert:
sorgfältiges Scouting und Recherche
Kenntnisse über das Verhalten der Tiere
Geduld
manchmal auch mehrere erfolglose Ansitze
Vorteile des Pirschens
Beim Pirschen bist du deutlich flexibler.
Du kannst größere Gebiete absuchen, neue Fotospots entdecken und spontan auf Tierbeobachtungen reagieren.
Hörst du beispielsweise einen Fuchs bellen oder einen Specht trommeln, kannst du dich vorsichtig in diese Richtung bewegen.
Allerdings steigt gleichzeitig die Gefahr, selbst entdeckt zu werden. Jeder Schritt erzeugt Geräusche und jede Bewegung kann von den Tieren wahrgenommen werden.
Meine Tipps für den Ansitz
Ein guter Ansitzplatz entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg.
Ich suche bevorzugt Stellen, an denen Tiere regelmäßig den Wald verlassen und auf Wiesen oder Lichtungen wechseln.
Außerdem achte ich darauf,
deutlich vor den Tieren am Platz zu sein,
natürliche Deckung wie Fichten oder Sträucher zu nutzen,
nicht direkt in der Sonne zu sitzen,
möglichst wenige Bewegungen und Geräusche zu machen.
Ein Tarnzelt verwende ich übrigens nicht. Für meine Wildtierfotografie im Erzgebirge reicht mir die natürliche Deckung der Landschaft vollkommen aus.
Meine Tipps fürs Pirschen
Beim Pirschgang gilt für mich:
Je langsamer, desto besser.
Ich achte darauf, auf den Wegen nicht auf den Schotter, sondern ins Gras zu treten, da dort meine Schritte deutlich leiser sind. Außerdem gehe ich möglichst an der Innenseite der Kurven, weil ich nicht sofort im Sichtfeld der Tiere bin.
Regelmäßige Stopps und auf die Geräusche der Natur zu hören, gehören ebenfalls dazu. Oft entdeckt man Wildtiere erst, wenn man einige Minuten völlig ruhig stehen bleibt.
Meine Ausrüstung
Beim Pirschen nehme ich meist nur meine Kamera mit Teleobjektiv mit.
Je leichter die Ausrüstung ist, desto angenehmer werden längere Touren.
Für einen Ansitz gehören dagegen zusätzlich in meinen Rucksack:
Stativ
Sitzkissen
Tarnnetz
Gerade bei längeren Ansitzen möchte ich möglichst bequem sitzen und die Kamera nicht dauerhaft halten.
Wann nutze ich welche Methode?
Nach vielen Jahren Tierfotografie im Erzgebirge kenne ich mittlerweile die Gegend sehr gut.
Deshalb bin ich meistens auf Pirsch unterwegs. Ich habe mir eine feste Runde zusammengestellt, auf der ich regelmäßig unterwegs bin. Dort kenne ich zahlreiche Wechsel, Waldränder und Wiesen, an denen sich häufig Rehe, Füchse oder verschiedene Vogelarten beobachten lassen.
Die meisten meiner Wildtierfotos sind genau auf diesen Touren entstanden.
Den Ansitz nutze ich dagegen gezielt für besonders vorsichtige Wildtiere oder schwierige Lichtsituationen.
Ein gutes Beispiel ist das Rotwild während der Hirschbrunft. Hier möchte ich möglichst wenig Unruhe ins Revier bringen. Gleichzeitig sind die Lichtverhältnisse in der Morgendämmerung oft anspruchsvoll. Deshalb entscheide ich mich in dieser Zeit fast immer für einen gut vorbereiteten Ansitz.
Fazit: Ansitz oder Pirschen?
Die eine perfekte Methode gibt es nicht.
Ansitz und Pirschen in der Wildtierfotografie ergänzen sich hervorragend. Beide Techniken haben ihre Berechtigung und führen – richtig eingesetzt – zu beeindruckenden Naturerlebnissen.
Wenn du gerne aktiv unterwegs bist, neue Orte entdecken möchtest und flexibel bleiben willst, wird dir das Pirschen wahrscheinlich mehr Freude bereiten.
Wenn du hingegen Geduld mitbringst, Tiere intensiv beobachten möchtest und bereit bist, Zeit in die Vorbereitung zu investieren, wirst du den Ansitz lieben.
Mein persönlicher Tipp: Probiere beide Methoden aus. Mit der Zeit entwickelst du ein Gespür dafür, welche Technik besser zu dir, deiner Ausrüstung und deiner Art der Tierfotografie im Erzgebirge passt.
Wenn du mehr über Tarnung und Ausrüstung in der Tierfotografie erfahren möchtest, schaue gern im dazugehörigen Blogbeitrag vorbei.