Welche Kamera und welches Objektiv für Tierfotografie? – Meine Tipps aus der Praxis
Wenn man mit der Wildtierfotografie beginnen möchte, taucht sehr schnell die Frage auf: Welche Kamera und welches Objektiv für Tierfotografie brauche ich wirklich?
Die kurze Antwort lautet: Das Objektiv ist wichtiger als die Kamera.
Warum das so ist und worauf du wirklich achten solltest, erfährst du hier.
Objektiv oder Kamera – Was ist wichtiger?
Viele Einsteiger gehen davon aus, dass eine teure Kamera automatisch bessere Fotos liefert. In der Tierfotografie spielen jedoch weitere Faktoren eine wichtige Rolle:
Ein gutes, lichtstarkes Teleobjektiv macht an einer günstigeren Kamera bessere Arbeit als ein High-End-Body mit schwachem Objektiv.
Gerade in der Natur, wo Licht, Abstand und Bewegungen nie perfekt planbar sind, macht die Qualität und Lichtstärke des Objektivs den entscheidenden Unterschied. Wenn du dein Budget sinnvoll aufteilen willst, investiere lieber mehr in die Linse als in den Kamerabody.
Welche Brennweite für Wildtiere?
Mindestens 300 mm für natürliche Lebensraum-Fotos
Ab 300 mm Brennweite kannst du schöne interessante Tierfotos machen. Das Motiv ist zwar meist etwas kleiner im Bild, aber dafür stimmungsvoll in ihrem natürlichen Umfeld. Gerade im Erzgebirge entstehen so wunderschöne Dokumentationen des natürlichen Lebensraums.
500–600 mm für Portraits und feine Details
Wenn du nah ran willst – an Gefieder, Fellstrukturen oder Action – sind 500–600 mm ideal.
Das ist allerdings auch die Preisklasse, die schnell sehr kostspielig wird.
Brennweite günstig erhöhen: Extender als Alternative
Eine vergleichsweise günstige Möglichkeit, mehr Brennweite aus deinem bestehenden Objektiv herauszuholen, sind sogenannte Extender (oder Telekonverter).
Sie gibt es üblicherweise in 1.4-facher und 2-facher Vergrößerung.
Allerdings sollte man ein paar Dinge beachten:
Durch die zusätzlichen Linsen erhöht sich die Blendenzahl deines Objektivs – die Linse verliert also an Lichtstärke.
Weniger Licht bedeutet auch: Der Autofokus wird etwas langsamer.
Ich selbst nutze einen 1.4x-Extender, allerdings nur dann, wenn das Licht es tatsächlich zulässt.
Trotz der kleinen Einschränkungen habe ich damit aber schon richtig tolle und scharfe Wildtierfotos gemacht – eine super Option, wenn man mehr Reichweite braucht, aber nicht gleich in ein 500- oder 600-mm-Objektiv investieren möchte.
Wie wichtig ist die Lichtstärke (Blende)?
Viele denken, man müsse unbedingt ein 2.8er Objektiv besitzen. Natürlich ist das traumhaft – aber oft unbezahlbar und vom Gewicht sehr schwer.
Meine persönliche Einschätzung:
Eine Blende zwischen f/4 und f/5.6 reicht für die Tierfotografie völlig aus.
Ich selbst arbeite bei 400 mm mit f/5.6. Nur bei sehr wenig Licht – etwa während der Hirschbrunft oder in dichten Waldgebieten – wünsche ich mir ab und zu etwas mehr Lichtstärke.
Für den Alltag ist f/5.6 jedoch ein super Kompromiss aus Preis, Gewicht und Leistung.
Zoom oder Festbrennweite?
Festbrennweiten: meist lichtstärker, schärfer, aber teuer und schwer
Zooms: flexibler, leichter, deutlich günstiger
Für Einsteiger in die Tierfotografie empfehle ich ganz klar ein Zoomobjektiv.
Ich selbst nutze ein 100–400 mm, das mich in jeder Situation flexibel bleiben lässt – egal ob bei scheuen Rehen, kleinen Vögeln oder wenn ich längere Zeit im Ansitz verweile.
Vollformat oder APS-C für Tierfotografie?
Beide Systeme haben klare Vorteile – und es gibt keinen „Gewinner“, sondern nur das, was zu deinen Bedürfnissen passt.
Vollformat – die Vorteile
besseres Rauschverhalten bei wenig Licht
größerer Sensor → mehr Zeichnung in Schatten und Highlights
meist robustere, aber schwere und teure Kameras
APS-C – ideal für Einsteiger
günstiger und leichter
perfekt, um die Kamera auch weitere Strecken komfortabel zu tragen
durch den Crop-Faktor (von etwa 1.5 oder 1.6) hast du mehr Reichweite
→ aus 400 mm werden je nach Hersteller etwa 600–640 mm
Für Wildtiere, gerade im Erzgebirge, ist dieser „Gratis-Zoom“ extrem hilfreich.
Warum die Megapixelzahl oft wichtiger ist als der Sensor-Typ
Unabhängig von der Frage, ob du Vollformat oder APS-C nutzt, spielt die Megapixelzahl der Kamera eine entscheidende Rolle, zumindest bei aktuellen Kamera-Sensoren und passenden Lichtverhältnissen.
Je mehr Megapixel ein Kamera-Sensor hat, desto mehr Bildinformationen speichert er. Das bedeutet:
Du kannst bei der Bildbearbeitung weiter hineinzoomen oder stärker croppen, ohne dass das Bild sofort unscharf wird.
Besonders in der Tierfotografie, wo Tiere selten so nah kommen wie man es gern hätte, ist das ein großer Vorteil.
Ein guter Richtwert ist eine Kamera mit mindestens 30 Megapixeln, gern auch mehr, wenn du häufig stark croppst oder kleinere Motive (z.B. Vögel) fotografierst.
Bitte vergleicht die Megapixelzahl nicht mit den Kameras der aktuellen mobilen Endgeräten. Der größere Kamerasensor und die hochwertigere Optik der Linsen liefert eine deutlich überlegene Bildqualität.
Mein Fazit und persönliches Setup
Am Ende hängt die Wahl von deinem Budget und deinen Vorlieben ab.
Ich selbst fotografiere derzeit mit einer Canon R7 (APS-C) und dem Canon EF 100–400 mm – und bin mehr als zufrieden damit.
Es ist relativ leicht, flexibel, scharf und absolut zuverlässig für meine Bedürfnisse in der Wildtierfotografie.
Und vergiss nie: